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Silete-Rufe

Christian Neuhuber

Mit den sieben Silete (Schweigt!)-Rufen werden im erhaltenen Teil des Dorothea-Spiels Handlungseinheiten gebildet und inszenierungsbedingte Pausen markiert.[11] Gesungen vom Engelchor, fordern sie vom Publikum Schweigen und Aufmerksamkeit ein und signalisieren den eigentlichen Spielbeginn, Übergänge, Standortverlagerungen, Szenenwechsel oder Zeitsprünge. In A-KR Cod. 81 sind diese Rufe nicht notiert, doch haben sich verschiedene Melodien erhalten, u. a. im Wiener Osterspiel.

Notenbsp. Silete

Notenbsp. Silete

Silete-Rufe aus deutschsprachigen geistlichen Spielen des 14.–15. Jahrhunderts. (Nach Macardle 2007, 173f.) Die Melodie [v] stammt aus dem sogenannten Wiener (jedoch rheinhessischen) Osterspiel (» A-Wn Cod. 3007, fol. 188r), die zweistimmige Fassung [vi] aus dem mittelrheinischen Trierer Theophilusspiel. (Transkription beider Fassungen: Schuler 1951, Bd. 2, 321–322)

[11] Zur Funktion und Aufteilung der Silete-Rufe vgl. Biermann 1977, 47–52. Vgl. auch » H. Sterzinger Spielarchiv