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Der Ludus Dianæ: humanistisches Theaterspiel

Andrea Horz

Der Ludus Dianæ [18] wurde zur Faschingszeit 1501 in der Burg von Linz vor Maximilian und seiner zweiten Frau Bianca Maria Sforza und ihren mailändischen Verwandten aufgeführt. Mit bunten Masken und unter Mitwirkung der Hofkapelle führten Mitglieder der Sodalitas litteraria Danubiana, also Petrus Bonomus, Joseph Grünpeck, Dietrich Ulsen und Vinzenz Lang, das von Celtis verfasste fünfaktige Huldigungsspiel auf den König und seine Gemahlin auf. Im Spiel treten nacheinander Götter und Halbgötter auf und rezitieren panegyrische Gedichte auf Maximilian. Zum Ende jeden Aktes werden Oden chorisch gesungen und getanzt.[19]

Doch geht dieses Spiel in verschiedener Weise „über die Bühne“ hinaus; darin unterscheiden sich – abgesehen vom Fehlen von Dialogpartien[20] – im besonderen Maße die von Celtis durchgeführten Inszenierungen antiker Dramen von Terenz und Seneca.[21] Der König und seine Gemahlin sind selbst in das Spiel eingebunden. Das ist besonders eindrücklich im dritten Akt, als Maximilian Vinzenz Lang zum poeta laureatus krönt. Damit sind die Grenzen zwischen Aufführenden und Publikum verwischt.[22] Weiters erschien das Bühnenwerk im Druck. Damit sollte jedoch nicht die wiederholte Aufführung des Stückes gesichert werden. Der Druck ist vielmehr darauf hin angelegt, diese einmalige Aufführungssituation und Feierlichkeit festzuhalten und zu dokumentieren. Mit besonderer Betonung der Musik, der Choreographie, der Kostüme,[23] sind ganze Szenenbilder und Requisiten angeführt.[24]

An zwei Stellen wird im Erstdruck nicht nur auf Musik hingewiesen, sondern es werden auch Noteneinlagen beigefügt: Am Ende des ersten Aktes singt der Chor der Nymphen zu Ehren Maximilians und Bianca Maria Sforzas im vierstimmigen, vollständig metrisch durchgeführten Satz ein Distichon und entspricht damit dem in den Melopoiæ vertretenen Modell des Odengesangs (» Notenbsp. Chor Maxmilianeas, Nymphe).[25]

 

 

Der ebenfalls mit einer Noteneinlage versehene Dankesgesang Regis eternas (» Notenbsp. Chor Regis eternas) am Ende des dritten Aktes, nach der Dichterkrönung, ist hingegen dreistimmig und die sapphische Strophe nicht metrisch vertont. [26] Zudem ist die Mittelstimme leicht figuriert, wie die Übertragung in moderne Notenschrift zeigt.[27]

 

 

Die gedruckte Fassung des » Ludus Dianæ zeigt somit exemplarisch, dass Odenvertonungen auch in den Theaterformen einen „Sitz im Leben“ hatten. Damit ehrte Celtis Maximilian nicht allein im sprachlichen Medium der Odendichtung, sondern seine szenisch performative Herrscherhuldigung umfasste auch den musikalischen Vortrag.

[18] Zur Verbindung des Ludus Dianæ (Celtis 1501) mit dem Parnass-Holzschnitt der Melopoiæ vgl. Luh 2001, 231 ff.

[19] Siehe die Edition und den Kommentar zur Musik in Gingerick 1940, 167ff.

[20] Schütz 1948, 112.

[21] Dietl 2005, 188 ff.

[22] Siehe zu diesem Aspekt Dietl 2005, 192 ff. sowie Müller 2009.

[23] Schütz 1948, 114 ff., sieht enge Verbindungen zwischen der Götterdarstellung in den Holzschnitten von Celtis’ Druckwerken und der Beschreibung der Darstellerkostüme im Spiel.

[24] Dietl 2005, 192. Zum Druck auch Müller 2009, 11 f.

[25] Frühere Übertragung: Liliencron 1890, 316.

[26] Siehe hierzu auch Müller 2009, insbesondere 7 f. Hier ist auch die Übersetzung der entsprechenden Stelle zu finden sowie eine Zusammenfassung des Dankgesanges.

[27] Übertragung aus Liliencron 1890, 359. Weitere Ausführungen finden sich ebd. 316.